Elektrische Anlagen ...
zu den "Eigenarten" elektrischer Anlagen zählt die Eigenschaft, fehlerhafte oder gelockerte Anschlusse (Klemmen, Kabelschuhe, Sammelschienenverbindungen etc.) sowie Defekte an elektrischen Komponenten in der Anfangsphase nur durch erhöhte Temperatur und – besonders "ärgerlich" – nur unter Last zu "verraten".
Spannungsfrei geschaltet fehlt meistens jegliches Indiz für vorhandene Problembereiche. Da tast- oder berührungsabhängige Messungen aus "lebenserhaltenden" Erwägungen an spannungsführenden Bauteilen ausscheiden, ist das Werkzeug für sichere Untersuchungen ... die Thermografie.

Die linke Phase, (im Foto mit Pfeil markiert) hat ein "Problem": nur am Anschluß ist sie 45°C wärmer als ihre beiden Nachbarn.
Ursache: mangelnder Kontakt am Kabelschuh.
Mögliche Folgen:
Anlagenausfall oder Brandgefahr!
Instandhalter schätzen die Unterstützung bei der vorbeugenden (VI) oder zustandsabhängigen (ZI) Instandhaltung, Produktionsleiter kennen Ihren Nutzen: Minimierung der Stillstand- bzw. Ausfallzeiten ...
Sachversicherer sehen "das Kind" jedoch als Maßnahme zum vorbeugenden Brandschutz!

Unserer dringenden Bitte folgend, wurde die Anlage nach knapp 10 Minuten freigeschaltet und das schadhafte Bauteil ausgetauscht.
Sehen Sie hier wie weit es wirklich war.

Wie lange, glauben Sie, hätte ein Anlagenausfall noch auf sich warten lassen?

30 Minuten nach Neustart der Anlage unter Last erfolgte die erneute thermografische Kontrolle:
homogene Temperaturverteilung an allen Anschlüssen.
Sowohl der Fehler als auch Ausfall- oder Entzündungsgefahren sind beseitigt.
Die Temperatur am Anschluss der mittleren Phase ist mit 116,0 °C extrem hoch. Der hier temporär entfernte Berührungsschutz neigt bei normalem Sitz dazu, "wärmere" Bauteilanschlüsse durch die umgebende Luftschicht vor thermografischen Untersuchungen zu verbergen.
Die Bearbeitung dieses Anschlusses wurde knapp eine Stunde nach Erkennen der Erhitzung durchgeführt.
Am Tag nach thermografischer Erkennung dieser Erhitzung an Phase L2 konnte der Erfolg der umgehend eingeleiteten Bearbeitungsmaßnahmen thermografisch bestätigt werden.
Die Erhitzung ist beseitigt.
Die durch Unterdimensionierung dieser Phase hervorgerufene Erwärmung wäre bei optischer Kontrolle nicht feststellbar.
Das Profil lässt erkennen, dass nur diese eine Phase thermisch auffällig ist.
Thermografische Untersuchungen elektrischer Anlagen haben die Aufgabe, elektrische Bauteile und Bauteilanschlüsse auf erhöhte Oberflächentemperaturen zu prüfen, die auf Defekte, Verschleiß, Unterdimensionierung oder auf lose Klemm- bzw. Schraubverbindungen hinweisen. Lüfter sind wirkungsvolle Helfer, die Wärmestaus in Schaltschränken entweder durch Kaltluftzufuhr oder durch Warmluftentzug abbauen und damit die Umgebungstemperatur der elektrischen Bauteile in Schaltschränken positiv beeinflussen – solange sie intakt sind. Funktionsstörungen an Lüftern können diese Helfer sehr schnell zu Gefährdern aller im Schaltschrank vorhandenen Bauteile werden lassen.
In diesem Lüfter (siehe Foto, Infrarotdarstellung und Temperaturprofil) drehte sich das Lüfterrad - in Zuluftfunktion – zwar nur noch langsam, aber es „versorgte“ den Innenraum des Schaltschranks mit Lufttemperaturen von bis zu 115 °C.
Wenn dieser Funktionsdefekt am Lüfter nicht durch turnusmäßig eingesetzte thermografische Untersuchungen erkannt worden wäre, hätte die massive Überhitzung aller im Schaltschrank vorhandenen Bauteile sehr bald zum Totalausfall geführt.
Eine nachträgliche Analyse zur Rekonstruktion der Ausfallursache hätte dann nur noch sehr geringe Aussicht auf Erfolg.
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